
geboren am 22.Februar 1999
Antonio lebte mit seinen Geschwistern und seiner Mutter zusammen in einer Favela in Fortaleza. Der Vater lebt mit einer anderen Frau zusammen. Aus Frust über ihr eigenes Leben, hat die Mutter alle Kinder fast täglich misshandelt´. Vor allem der kleine Antonio wird ständig von seiner Mutter geschlagen, vor allem ins Gesicht. "Manchmal hatte ich ganz zugeschwollene Augen und konnte kaum noch sehen. " Nachts weckt sie Antonio auf, in dem sie ihn an den Haaren aus dem Bett schleift um ihn dann anschliessend zu verprügeln. Auch sonst schleift sie Antonio viel an den Haaren durch die Gegend und einmal überschüttet sie ihn mit heißem Wasser. Die Kinder bekommen kaum Nahrung und da die Mutter häufig nicht Zuhause ist. lässt sie die Kinder bei der alten verwirrten und alkoholkranken Grossmutter. Diese erzählt Antonio immer wieder, er sei der Teufel, bis er selbst daran glaubt. Aufgrund der Misshandlungen läuft Antonio von Zuhause weg und lebt eine zeitlang auf der Straße. Als die Polizei ihn dort aufgreift, kann er über sich selbst nichts erzählen und wird in eine Staatliche Einrichtung gebracht. Irgenwann beginnt Antonio anderen Menschen gegenüber agressiv zu werden und keiner weiss mehr, wie man mit ihm umgehen soll. So kommt Antonio in eine Psychatrische Einrichtung, wo ihm bereits mit 5 Jahren starke Psychopharmaka wie Haldol und Holeporol über einen längeren Zeitraum verabreicht werden. Dies ist gerade für einen kleinen Körper nur schwer zu verarbeiten. Antonio hat eine sehr geringe Selbstwertschätzung und ein starkes Gefühl der Ablehnung und des Verlassenseins, infolge seiner schlechten Behandlung.
Als Antonio Ende 2006 ins sitio vom kleinen Nazareno kommt, ist er extrem verschlossen und agressiv wie auch autoagresseiv. Auch hier erzählt er immer wieder, dass er der Teufel sei. Nachdem sich eine Praktikantin mit einer ergotherapeutischen Ausbildung seiner annimmt, und er auch von Seiten der Educadores Aufmerksamkeit und Zuwendung erhält, geht es ihm stetig besser. Mittlerweile entwickelt sich Antonio zu einem aufgeweckten und fröhlichen Jungen.
Ich habe bei meinem Vater gewohnt, manchmal bei meiner Mutter. Mein Vater schlug mich sogar mit dem Besenstiel, weil er nicht wollte, dass ich von zu Hause auf die Strasse weglaufe. Aber ich lief jeden Tag weg. Ich lief auch weg, wenn mich meine Mutter geschickt hat. Sie sagte: Antônio, geh auf die Strasse, bettle um Almosen. Sie schlug mich auch, mit FlipFlops. Da zu Hause gab es manchmal kein Essen, also ass ich nichts.Als ich auf die Strasse ging, hielt ich mich auf Maerkten auf, um um Almosen zu betteln. Ich sagte das so: Ei, kannst du mir einen “Chilito” geben? Manchmal sagten die Leute das: Nein, ich gebe nichts, weil du kein Geld hast! Als ich auf der Strasse geschlafen habe, hatte ich manchmal Angst vor den vorbeilaufenden Wesen, dass sie mich schnappen wuerden. Einige solche Wesen... die Woelfe...ich weiss,was da ist! Manchmal, auf der Strasse schlugen mich die anderen Jungs, die Diebe. Ich habe ihnen nichts getan, aber sie schlugen mich.Ich hatte grossen Hunger auf der Strasse, wenn mir die Leute nichts gaben, kein Geld, damit ich Sachen kaufen konnte. Eines Tages war ich auf der Strasse, da fuhr ein Kombi vorbei und nahm mich mit zum SOS Do Pirambú und danach kam ich hierher. Mir gefaellt es hier. Was ich am liebsten mag, ist das Essen, Mangos unterm Mangobaum sammeln. Ich mag es auch sehr zur Kapelle zu gehen, weil... weil es eine Kapelle Gottes ist. Ich mag es zu beten, in der Stille zu sein, auf den Baenken zu sitzen, Lieder ueber Gott zu singen. Mir gefaellt es auch im Haus, wo ich wohne, weil mich der Erzieher mag. Ich mag die anderen Jungs vorm Haus, weil wir spielen und sie meine Freunde sind. Mir gefaellt es sehr, im Bach zu schwimmen. Ich will ein guter Junge sein.