
geboren am 08. Juli 1994
Ich ging jeden Tag zum Betteln auf die Straße. Abends schickte mich jeder, den ich traf, nach Hause, da es auf der Straße sehr gefährlich ist; ich ging aber nie nach Hause, da mich meine Mutter schlug. Es gefiel mir nicht, auf der Straße zu leben. Ich ging nur deshalb auf die Straße, weil mein Vater sehr brutal zu mir war, mich schlug und als Dieb bezeichnete. Mein Vater beschuldigte mich nämlich, ihn bestohlen zu haben. Ich schwor, dass ich nichts gestohlen hatte, aber er glaubte mir nicht und schlug mich sehr heftig.
Ich beschloss deshalb, auf der Straße zu leben und blieb sechs Tage alleine am Terminal „Siqueira”. Danach traf ich einen Mitarbeiter von der SOS-Einrichtung, der mich dann nach Hause brachte. Ich ging aber immer wieder auf die Straße, da ich es dort manchmal schaffte, Geld für meine Mutter nach Hause zu bringen. Einmal blieb ich lange Zeit auf der Straße und als ich nach Hause zurückkam, schliefen meine Mutter und meine Geschwister bereits. Ich stieg in den Bus und kehrte zum Terminal „Siqueira” zurück, um dort zu schlafen. In der Früh merkte ich, dass mir die anderen Kinder all mein Geld, das ich bei mir hatte, gestohlen hatten. Als ich nach Hause zurückkehrte war meine Mutter sehr böse mit mir und schlug mich. Auf der Straße wurden mir schon Drogen angeboten, ich wollte diese aber nicht, denn ich wusste, dass wenn ich nach Hause käme und nach Drogen riechen würde, mich meine Mutter schlagen würde. Auf der Straße traf ich die Erzieherin Iara. Sie erzählte mir über das Sítio und fragte mich, ob ich dort wohnen wolle. Sie brachte mich zuerst in die SOS-Einrichtung und als mich meine Mutter besuchen kam, fragten sie sie, ob ich im Sítio leben könne.
Als ich im Sítio (Nazareno-Dorf) ankam, fand ich alles sehr seltsam und wollte wieder weg. Eines Tages war ich dann bei einem Erzieher zu Hause und von dort konnte ich flüchten. Ich fuhr zum Busbahnhof, aber Beto (Mitarbeiter des OPN) fand mich und brachte mich zum Sítio zurück. Ich bin weglaufen, da mir meine Mutter sehr fehlt(e).
Im Nazareno-Dorf ist es sehr schön, aber ich würde trotzdem gerne wieder nach Hause.